76698 Ubstadt
Seegrabenstr. 1
 07251961555

 

 

Eine kurze Geschichte des Weines
Wir brauchen nur wenig Phantasie um uns vorzustellen, was Menschen in grauer Vorzeit wohl bei ihren ersten Wein- und damit Alkoholerfahrungen empfunden haben:. Angesichts der harten Mühsal eines kurzen und entbehrungsreichen Lebens war der Rausch wie ein Ausflug in eine andere, paradiesische Welt. Solch unerklärliches, überirdisches Erlebnis war zweifellos göttlichen Ursprungs und so ist gut verständlich, daß der Wein mitsamt dem Rausch in den alten Kulturen einen hervorgehobenen Stellenwert hatte.

Der kultischen Dimension des Weins verdanken wir sehr frühe Belege über das Wissen um die Weinbereitung und seinen Gebrauch. In ägyptischen Grabkammern aus dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend finden sich eindrucksvolle Szenen aus dem Winzerleben . Wein hatte Bedeutung in Opferkulten und als Grabbeigabe. Die enge Beziehungen vom Wein zur Götterwelt sind in verschiedenen Texten belegt. Der Totenherrscher Osiris galt als „Herr der Weinbereitung“ oder auch „Herr des Weines im Überfluß“. Wein wurde bezeichnet als „Schweiß des Sonnengottes Re“, als „Träne des (Osiris – Sohnes) Horus“ oder als „Kind des Himmels“. Die Göttin Hathor, „Herrin der Weinkrüge“, stand für Musik, Tanz, Lebensfreude und Trunkenheit. Sie wohl zu stimmen bedurfte es Weinopfer, zu ihren Ehren wurde alljährlich das Fest der Trunkenheit gefeiert, Weintrinken als Gottesdienst also!

Im altägyptischen Alltag waren Brot und Bier Grundnahrungsmittel die zum vom König garantierten Mindesteinkommen eines jeden zählten. Wein war gehobenen Gesellschaftsschichten vorbehalten und gehörte in diesen Kreisen  zur Tischkultur. Diese Differenzierung im Gebrauch der beideb verbreitetsten Alkoholika zieht sich übrigens durch gesamte Geschichte bis in die Gegenwart. Der (wertvolle teurere) Wein ist eher das Getränk der Wohlhabenden, an Festtagen und auch zu kultischen Zwecken – Bier ist eher in einfacheren Kreisen bzw. im Alltag gebräuchlich..

Die Alten Griechen hatten ein eigenes Mitglied der olympischen Götterfamilie, das für den Wein zuständig war, Dionysos. Er war ein Fruchtbarkeitsgott, der ausschließlich für den Wein stand, neben Demeter die für Ackerbau zuständig war. Seine vielfältigen Beinamen spiegeln die verschiedensten Facetten des Weines und seiner Wirkungen: „Sänger, Keltermeister, Weinspender, Krachmacher, Wortbrecher, Festfreund, Zechbruder, Beglücker von Hochzeiten, Befreier von Kummer und Sorgen“. Entsprechen zahlreich, vielschichtig und ambivalent sind die dem Dionysos zugeordneten Adjektive und Attribute: „ Zierlich gelockt, stattlich, hitzig wie fröhlich, holdblühend, rohfressend, dröhnend, lärmend, traubenumkränzt, fröhlich lachend, jauchzend, schlummervertreibend“. nach oben

Zu Ehren des Weingottes  wurden Dionysosfeste gefeiert, überwiegend in den Frühjahrsmonaten mit dem Bezug zur erwachenden Natur und dem Erstanstich des neuen Weines. Auf dem Programm der oft mehrtägigen Feste standen Prozessionen, bei denen obszöne Lieder abgesungen wurden, Tänze und Theaterauführungen. Dabei stand der Fruchtbarkeitskult im Mittelpunkt, Wein spielte eher eine Nebenrolle als Getränk in den Theaterpausen, vermutlich klangen die Festabende aber letztlich  doch feucht-fröhlich aus.

Zur Weinkultur der Alten Griechen gehörte das Symposion: Nach dem festlichen Mahl versammelte man sich zu ritualisierten Trinkgelagen, sogenannte Symposien. Der Wein wurde grundsätzlich mit Wasser vermischt getrunken, und da er oft mit Gewürzen versetzt war, wurde er bei der Zubereitung des „Schorles“ abgeseiht und in großen Mischgefäßen mit Wasser versetzt. Der Anspruch an die Art der Unterhaltung war hoch, gepflegt unterhielt man sich über gelehrte Fragen oder lauschte dem Vortrag lyrischer oder dramatischer Werke. Allerdings sind griechische Vasenbilder erhalten, auf denen sich ein Symposiast heftig übergibt..- die übliche Methode um sich nach übermäßigem Genuß zu ernüchtern.

Die Römer übernahmen von den Griechen praktisch vollständig die hochstehende Kultur, einschließlich der des Weines. Der entsprechende Gott hieß in Rom dann Bacchus, das Symposion comissatio. Wie bei den Griechen lagen die Teilnehmer nach dem Festmahl (Gelage!) auf Speisesofas, oft kamen neue Gäste, Freunde, Nachtschwärmer hinzu, die sprichwörtlich gewordenen „Parasiten“.

Der Ablauf folgte einem Ritual, bei dem zunächst dem Weingott gehuldigt wurde. Getrunken wurde nur gemeinsam, auf Kommando sozusagen. (Man muß es sich wohl vorstellen wie das über die Zeiten und Kulturen weitverbreitete sich-zutrinken.) Die Kommandos gab der „rex bibendi“ eine Art Zermonienmeister aus dem Kreis der Zecher. Er legte auch das Mischungsverhältnis Wasser – Wein fest und bestimmte die Menge Weins, die jeder (auf einen Zug) zu trinken hatte sowie die Art der Unterhaltung. Im Allgemeinen waren die Mengen groß und das Niveau der Darbietungen eher fragwürdig. Das Spektrum der möglichen Unterhaltung war allerdings breit gefächert: Würfel- und Geschicklichkeitsspiele waren genauso möglich wie Gesang, Flötenspiel oder Auftritte  von Possenreißern, Tänzerinnen, Komödianten und Rezitatoren. Berühmt - berüchtigt waren die Abende bei Gastgebern, die mit  eigenen künstlerischen Hervorbringungen dilletierten. nach oben

Es läßt sich leicht vorstellen, daß im Verlauf des Abends unter dem Einfluß des genossenen Weins der rituelle Ablauf etwas ungezwungener wurde; tatsächlich entwickelten sich öfters wüste Saufabende, die im Morgengrauen mit lärmenden Zügen durch die Gassen endeten. Oder die Gespräche wurden zu erhitzten Wortgefechten oder gar tätlichen Raufereien, bei denen auch schon mal Blut floß.

Was die Weinqualität angeht, so war das Ergebnis von Traubenerzeugung, Mostgewinnung und anschließender Gärung wohl nur ausnahmsweise mit heutigen reintönigen Jungweinen vergleichbar. Vermutlich ging fast jede  Gärung mehr oder weniger daneben und aus heutiger Sicht unerwünschte Bakterientätigkeit erzeugte allerhand organische Säuren und somit eine Essignote im Wein, die aber wohl als normal empfunden wurde. Das eigentliche Problem aus heutiger Sicht war aber die mangelnde Haltbarkeit der ohne effektive Konservierungsstoffe hergestellten Weine. Oxidation und Bakterien machten die Weine früher oder später ungenießbar. Deshalb gab es die eigentümlichsten Verfahren  zur Geschmacksverbesserung und um das Getränk haltbarer zu machen. Harmlos erscheint noch die Mostkonzentration durch Kochen oder der Zusatz von Rosinen, Honig oder Gewürzen wie Zimt. Aber man fügte auch Pfeffer Weihrauch oder Ziegenkäse hinzu. Zur Steigerung der Haltbarkeit waren auch Zusätze von Pech, Asche, Meerwasser oder Harz  üblich.

Trotz (oder vielleicht auch wegen) der zum Teil fragwürdigen Herstellungsmethoden gab es schon bei den Römern eine ausgeprägte Weinhierarchie mit berühmten Herkünften (Falerner) und Jahrgängen (legendär: der vorchristliche 121er!). Man wußte zu unterscheiden und würdigte sehr wohl die geschmackliche Raffinesse des Weins und dabei ist es bis heute geblieben. nach oben

 

Alte Ägypter

 

Alte Griechen

 

Symposion

 

Alte Römer

 

antike Weinqualität